Dienstag, 15. August 2017

Montag 14. August

Ich bin noch vor dem Wecker wach. Michael auch, er hat fast nichts geschlafen, der Arme. Ich wohl etwas mehr, aber fühl mich wie gerädert. Die dünne Matratze auf meine Pritsche war doch schon etwas durchgelegen, Michaels irgendwie schief.

Da ertönt auch schon der Weckruf des Schiffes, mit angenehmer Musik untermalt verkündet eine Frauenstimme, dass man bald in Olbia ankommen wird und wo man überall noch ein Frühstück erhält. Ich würd am Liebsten an Deck, aber Michael ist verknautscht, brummig und müde und braucht erst mal einen Kaffee. auch vom Frühstück sind wir positiv überrascht.

Dann geht es an Deck und die Sardische Küste begrüßt uns steinig und mit trockener Vegetation. Schon werden wir wieder in den Schlund gerufen und das ausschiffen geht einiges schneller von statten, als das Einschiffen.










Steinig, ja fast trostlos begrüßt uns Sardinien erst mal auf der ersten Strecke, fast unwirtlich, aber auch bereits wild und urchig. Wir versuchen zu tanken, aber erst die dritte Tanke hat Bleifreies Benzin ( Senta piombo). Wir hoffen, das ist kein schlechtes Omen.

Wir verfahren uns in Dorgali, finden  aber schließlich Kilometer 211 auf der Strada Stradale Orientale. Eine sehr enge Straße führt uns durchs Buschwerk den Hügel hinauf zu unserem ersten Agriturismo , dem Conca e Janas. Wir werden sehr herzlich begrüßt und gleich mit Caffé, Kuchen und Keksen zu einem kleinen Frühstück eingeladen. Unsere Zimmer sind jedoch zum Leidwesen von Michael noch nicht bezugsfertig. Er hätte Gene geschlafen und ich wäre einem Nickerchen auch nicht abeneigt gewesen.

Unser Gepäck können wir jedoch einlagern und wir machen uns auf Orgoloso in den Bergen einen Besuch abzustatten.

In Orgoloso angekommen Kurven wir erst herum und herum und herum durch enge Gassen, bis wir einen Parkplatz finden. Am Anfang der Altstadt befindet sich ein Dorfplatz, der bereits für das Feragosto Fest am nächsten Tag geschmückt ist.Die Orgoleser haben am 15. August eine Prozession zu Ehren Mariahimmelfahrt. Anschließend findet ein wildes Pferderennen durch die Gassen der Stadt statt. Woher ich das weiß? Hab ich in einer Dokumentation gesehen.

Die Orgoleser waren früher, und wer weiß auch heute noch, als "Banditi" , Rebellen und Separatisti bekannt. Es war nicht ungefährlich die Berge und speziell die Gegend um Orgoloso zu besuchen. Viele Touristen wurden entführt und erst gegen Entgelt wieder freigelassen. Als Kind war ich mal auf Sardinien, da warnten noch Schilder von eben diesen Banditi.

Berühmtheit erlangte Orgoloso jedoch durch seine Muri- Wandmalereien, welche durch einen Lehrer und seine Schüler infiziert eine ganz andere Form des Gewaltlosen Protestes darstellt. Jedes Jahr werden seither neue Bilder hinzugefügt von Künstlern aus dem Dorf, aber auch von Künstlern auf Besuch.

Richtete sich früher der Protest vor allem noch gegen den Italienischen Staat, prangern heute die Bilder auch ganz andere Ungerechtigkeiten und Misstände an, soziale, frauenrechtliche, politische und die Umwelt betreffende. Ein Bild von Trump und seinen Schergen hab ich noch nicht entdecken können, aber gesehen hab ich auch nur einen Bruchteil.

Übrigens die Bilder von diesem Lehrer erinnern sehr an Picasso. Wer eine Geschichtsunterrichtsstunde durch Kunst erfahren will,  kann sich auf dem Dorfplatz einen Audioguide mieten und ca. 80 Bilder der inzwischen 300 erklären lassen. Wir haben den Geschichtsunterricht abgebrochen und die Muri einfach so auf uns wirken lassen, es war einfach zu heiss. Um 13.30 leerte sich dann auch plötzlich die Gassen, die Läden schlossen und die Touristen verschwanden. Siesta! Wir könnten uns noch ein Haselnusseis ergattern, Michael mit Schokolade und ich mit Mirto. Mirto ist hier ein Busch aus dessen Beeren,  Blättern und Blüten Grappa oder Liköre hergestellt werden, oder eben auch Eis.









































Nach kurzer Recherche in unserem Reisebuch und der Karte entschließen wir uns nach Süden zufahren. Nächste Station Baunei. Wir fahren hinauf und hinauf bis wir auf einer Hochebene landen, welch eine ganz andere Vegetation aufweist. Man meint irgendwo im Wilden Westen Amerikas zu sein und wartet, das John Wayne vorbeireitet. Die braune Erde ist Staubtrocken. Den „Duke“ sehen wir nicht, aber ein wildes Pferd mit seinem Fohlen.

Dann geht es wieder hinunter an verbrannten Hügeln vorbei. Die Erde und Bäume, Sträucher sind schwarz verbrannt, die Kakteen sehen wie geschmolzen aus. Fast Silence Fiction mäßig, unheimlich, eine Mondlandschaft des Grauens.

Nach Baunei geht es wieder die Serpentinen hinauf und von dort noch steiler kurvt sich eine enge Straße zu einer weiteren Hochebene hoch. Wieder eine ganz spezielle Vegetation empfängt uns. Kleine , lichte und zart silberne Bäumchen zwischen denen jetzt weiße kleine und große Steinchen und Steine  und dicke Felsblöcke liegen. Die noch geteerte Straße schlängelt sich dadurch um dann in eine Schotterpiste überzugehen. Nur Schilder zeigen an, dass es hier oben überhaupt was zu sehen gibt.

Esel säumen die Straße und auch ein paar Kühe liegen unverdrossen am Wegesrand. Dann stehen wir vor einer kleinen Kirche, San Pietro di Golgo. Michael mag nicht und entleert ungeniert mal seine Blase ... ist ja auch der einzige Schwanz weit und breit... sorry das musste jetzt sein.

Also Lauf ich alleine zu dem Kirchlein hin und summe die Melodie von der Mundharmonika aus Spiel mir das Lied vom Tod , passt irgendwie. Vor der Kirche steht ein Menir. Durch ein Tor kommt man zur Kirche, welche natürlich geschlossen ist. Daneben befinden sich kleine Refugien, Steinhäuser welche Pilgern Schutz bieten. Vor der Kirche jedoch liegt der eigentlich mystische Ort. Große und alte Eichen und Ölbäume stehen auf runden erhöhten Hügelchen, welche mit Steinmauern eingefasst sind, so dass man da unter dem Baum im Schatten verweilen und meditieren, beten oder einfach nur nachdenken kann.

Dahinter hat es einen Wald auf einer kleinen Erhöhung der Ausschaut, als würde gleich Jesus mit seinen Jüngern dort rasten und seine Predigt vom Stapel lassen... wäre jedenfalls eine ideale Filmlocation. Meine Fantasie geht mit mir durch und ich geh zurück zum Auto und Michael, der sich inzwischen mit einem Esel angefreundet hat.

Eine italienische Frau mit ihren zwei Kindern kommt angefahren und lässt die Teenager neben den Esel stellen um ein Foto zu schießen. Zu mir sagt sie, es stehen 3 Eselchen vor ihr nicht nur eines und lacht. Den Kindern erklärt sie das dies ein typisch Sardischer Esel sei, den es nur auf Sardinien zu finden gibt. Er hat auf dem Rücken ein schwarzes Kreuz.



































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